Slowing Down Media

Blog-Eintrag vom 25.02.2010

Inzwischen sind Informationen bei der maximalen Geschwindigkeit. Schneller geht nicht - es ist bereits echtzeit. Genaugenommen prasseln von überall inzwischen Echtzeit-Informationen. Der Prozess der Beschränkung wird wichtig.

Man beschränkt sich bewusst oder notwendigerweise.
Notwendigerweise beschränkt man sich, wenn man mehr Informationen einfach nicht mehr aufnehmen kann. Man bewegt sich am Limit. Das ist teilweise nötig, aber keineswegs erstrebenswert.
Viel angenehmer: Man beschränkt sich bewusst. Man versucht nicht, alles mitzubekommen - das geht eh nicht. Stattdessen: Man konsumiert nur, was einem relevant erscheint. Man konzentriert sich auf weniger Dinge, aber die sind es einem dafür auch Wert, Zeit und Gedanken zu investieren. Das ist dann kein Konsumieren "nebenbei", sondern mit vollen Sinnen.

Ich unterstütze diese Beschränkung. Ich merke ja selbst immer wieder, wie ich nebenbei Informationen erhalte - die mir oft genug nicht wichtig sind, mich aber aus meiner Konzentration reißen, mich daran hindern, mich auf ein wirklich spannendes Thema zu konzentrieren. Leider passiert das nicht immer bewusst - dann könnte man es leichter verhindern. Oft aber merke ich es.

Wirklich hilfreich ist es, wenn man sich zum Beispiel von einer Bahnfahrt ohne Internetverbindung vorher überlegen kann bzw. muss, was man sich speichert, was man konsumieren möchte. Man kann hier zwar prinzipiell fast unendlich viel mitnehmen - aber was interessiert einen wirklich? Was ist so relevant, dass ich vorher weiß, dass ich mich damit beschäftigen möchte? Diese Selektion tut gut.
Die Dinge, die man hier auswählt, sind das, was ich Slow Media nennen würde - Media, die man bewusst mono-konsumiert, für die man sich Zeit nimmt.

Im Vergleich dazu:
2. Slow Media fördern Monotasking: Slow Media lassen sich nicht nebenbei konsumieren, sondern provozieren die Konzentration der Nutzer. So wie die Herstellung eines guten Essens die volle Aufmerksamkeit aller Sinne eines Koches und seiner Gäste erfordert, können Slow Media nur in fokussierter Wachheit mit Genuss konsumiert werden.
Quelle: http://www.slow-media.net/manifest

In diesem Zitat geht es auch darum, dass sich die Media nur bewusst konsumieren lässt, also gar nicht nebenbei verzehrt werden kann. Ich stelle mir hier die Frage: Gibt es Medien, die sich nicht nebenbei konsumieren lassen?
Ja, die gibt es - aber es sind wenige. Die meisten Romane erfüllen dieses Kriterium. Ich zumindest lese sie, indem ich die Tür zumache, mich auf mein Sofa setze, mich unter eine Decke kuschele und stundenlang nichts anderes tue als lesen. Das ist also Slow Media, wie es beschrieben wird.
Daneben gibt es auch Media, die man bewusst konsumieren kann - aber nicht muss. Ich denke, Twitter kann ein Beispiel dafür sein - je nachdem, wem man folgt. Wenn ich mir die Nachrichten einer Person ansehe, dann kann ich das nebenbei tun, im Vorübergehen. Ich kann aber mich auch bewusst hinsetzen, mir Gedanken machen über kluge Erkenntnisse desjenigen. Ist das dann Slow Media? Ist die Media slow oder verlangsame, entschleunige ich die Wahrnehmung der Media?

Comments

Post new comment

The content of this field is kept private and will not be shown publicly.
  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Lines and paragraphs break automatically.

More information about formatting options